Policital Interventions (Book Review, german)

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Wann immer soziale Protestbewegungen ihr Formenrepertoire erweitern, verschieben sich auch die Grenzen von politischem Aktionismus und Kunst. Historische Beispiele finden sich etwa im Kontext der Arbeiterbewegung der 1920er, der Friedens-, Frauen-, Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen der 1960er, oder der Öko-Bewegung der 1980er Jahre.

Angesichts einer fortwährenden Digitalisierung, die sich nicht nur auf ökonomische Verhältnisse und soziales Verhalten auswirkt, durchläuft auch die Kunst eine Umgestaltung und Neuausrichtung ihres kritischen Potenzials.

Durch ihre bisweilen offene semantische Struktur, zumal im Angesicht vielfältiger, globalisierter und unverzüglicher Kommunikationsbedingungen, beschränkt sich die Rolle der Kunst dabei längst nicht mehr auf das Erzeugen von Gegennarrativen.

Vielmehr offenbaren sich ihr – und durch sie – unmittelbare Verknüpfungspotenziale politischer und künstlerischer Sachverhalte: Kunst als engagierter Gegenpol der Politik zur Entlarvung von Machtsystemen. Kunst als Politik. Politik als Kunst.

Die Ausgestaltung politischer Kunst ist dabei freilich immer auch Gegenstand, gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse, die sich im digital-analogen Spannungsfeld mitunter blitzartig verlagern, überlagern und reformieren ­– was wiederum strategische Handlungsräume für Gesellschafts- und Herrschaftskritik schafft.

Wie Kunst, nicht nur als ästhetisches Konzept, in öffentliche Meinungsbildung intervenieren und maßgebliche Gegenkonzepte erfahrbar und plausibel machen, und somit realpolitisch relevant werden kann, ist Gegenstand des Buches „Political Interventions“*.

Eingefasst von Textbeiträgen (u.a. Mercedes Bunz, Dieter Daniels, Stefan Heidenreich, Dominik Landwehr) nimmt das Werk der Schweizer Medienkünstler Christoph Wachter und Mathias Jud darin eine zentrale Rolle ein, deren Arbeiten im Kosmos aus investigativem und sozialem Engagement, politischem Aktivismus und Aktionismus, und zivilem Ungehorsam als exemplarisch für einen Ansatz politisch motivierter Kunst gelten kann, die gleichermaßen an der Schaffung symbolischer Funktionen, wie an der Umsetzung lebensweltlicher Bezüge interessiert ist.

Sei es mit ihrem Projekt ‘Zone*Interdite’, in dem die sie öffentlich zugängliche Bilder von militärischen Sperrzonen sammeln und zu einer Kartografie der Unterdrückung kompilieren. Sei es mit ihrer dreidimensionalen Guantanamo-Rekonstruktion. Oder mit ihrer Open Source Software qual.net zur Errichtung autonomer Netze. Stets schwingt ein Verständnis über die politische Dimension der Dinge mit, und die Erkenntnis darüber, dass diese manchmal erst im veränderten Zustand ihrer Beschaffenheit für uns greifbar wird.

Im Bewusstsein des politischen Wirkungskreises unserer digitalen Artefakte verdeutlicht sich auch deren gesellschaftliche Relevanz, die spätestens durch ihren Gebrauch oder auch durch ihre (Un-)Zugänglichkeit über Strukturen und Formatierungen sozialer Prozesse und Belange mit entscheidet, zu denen auch die Frage von Inklusion oder Exklusion zählt.

Die Erkundung der Formen und Möglichkeiten politischer Intervention, und die Frage inwieweit Kunst im digitalen Zeitalter Einfluss auf Politik nehmen kann, ist somit schwer von einem moralischen Werteverständnis zu trennen, welches der Mitgestaltung von Gesellschaft zu Grunde liegt.

Und genau hieran verdeutlicht sich auch ein sich verschiebender Kunstbegriff, dessen Erscheinungsform Heidenreich als „nach-ästhetisch“ bezeichnet: In dem Moment wo Kunstwerke auch als Tools genutzt werden (können), die zur Entschlüsselung oder der Durchdringung der digitalen Welt mitsamt ihren Vor- und Nachzügen dienen, erhalten auch Nutzende Gelegenheit, „Paradigmen, die diesen Instrumenten zugrunde liegen, zu hinterfragen und neu zu formulieren“ (Boris Magrini).

Die Möglichkeit zur praktischen Umgestaltung wird dadurch mindestens gleichbedeutend mit der ursprünglichen Kritik an bestehenden Verhältnissen. Bestandaufnahmen sozio-technischer Sachverhalte, politische Intervention und theoretische Reflexion darüber, werden zu äquivalenten Bestimmungsorten der Kunst, und deren iterative Verknüpfung Teil der Strategie.

Tom Bieling, April 2014

 

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* Migros-Kulturprozent / Dominik Landwehr (Hg.): Political Interventions
Edition Digital Culture 1 / Christoph Merian Verlag, 2014, 244 S.,
ISBN: 978-3-85616-609-0

 

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Mensch Raum Maschine – Bühnenexperimente am Bauhaus (Book Review)

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Dass es im Bauhaus als Hochschule für Gestaltung nicht ausschließlich um den alltagsrelevanten, ganzheitlichen Gestaltungsansatz ging, zeigt bis zum 21. April die Dessauer Ausstellung »Mensch Raum Maschine – Bühnenexperimente am Bauhaus«.

Begleitend dazu skizziert der von den Kuratoren Torsten Blume und Christian Hiller kompilierte, gleichnamige Katalog*, die 1921 von Walter Gropius gegründete Bühnenwerkstatt – im Unterschied zu den anderen Bauhaus Werkstätten – als ebenso experimentelle, wie kritisch und visionäre Brutstätte der freien Kunst. Und lässt zugleich erahnen, wie unweit diese bisweilen dennoch von der lebensweltlichen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen entfernt liegt.

Als man sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit zunehmend technisierten, zugleich Besorgnis erregenden und verführerischen Lebensräumen konfrontiert sah, fungierten Orte wie die Bühnenwerkstatt als solche, in der das Verhältnis von Mensch und Technik neu erforscht und erprobt werden konnte, und in denen es „um nichts weniger ging, als den Entwurf des neuen Menschen“ (Philipp Oswalt)

Auf der Suche nach einem neuartigen, sinnbehafteten Verhältnis zu einer sich fortwährend dynamisierenden, technisch animierten Umwelt, und einem reziproken Mensch-Technik-Verhältnis, gingen die zentralen Protagonisten Lothar Schreyer, Oskar Schlemmer und László Moholoy-Nagy dabei grundlegenden Fragen der Mechanisierung, Maschinisierung und Rationalisierung nach.

Auf eine Weise, in der die Logik und Rhythmik des Maschinenzeitalters ebenso widerspiegelt wie hinterfragt wurde, entstand dabei eine Reihe von technoid-menschlichen Doppelgängern. So zum Beispiel die skulpturalen, biomechanischen Kostüme aus Schlemmers Triadischem Ballett, in denen die Protagonisten, beinah wie eine Art Vorgriff auf spätere Roboterbilder, auf befremdlich-vertraute Weise entindividualisiert androgyn erschienen: Grenzfiguren zwischen Natur und Artefakt. Gleichsam als Technikkritik zu verstehen, im Erkenntnisinteresse jedoch auch als Bewegungsstudien für neue Maschinenkörper dienend.

Nach zahlreichen beachtenswerten Studien und Publikationen zum vorrangig gestalterisch-architektonischen Vermächtnis des Bauhauses, widmen sich Ausstellung und Katalog mit einem Spektrum aus Fotografien und Skizzen, Modellen und Apparaturen, historischen, programmatischen Texten und aktuellen Reflektionen, nun erstmalig seinem ‚flüchtigen’, performativen Nachlass: den Experimenten und Konzepten der Bauhausbühne.

Tom Bieling, April 2014

 

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* Torsten Blume, Christian Hiller (Hg.):
Mensch Raum Maschine – Bühnenexperimente am Bauhaus
Spector Books, 2014, 264 S., ISBN 978-3-944669-21-2; 36 EUR

 

 

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Cinema of Transgression

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In den 1980er Jahren schließen sich im New Yorker East Village Künstlerinnen und Künstler zusammen, unter ihnen Nick ZeddLydia Lunch, John Waters und Richard Kern, die radikal aufbegehren: gegen den guten Geschmack, gegen den saturierten Kunstbetrieb, gegen ein bequem gewordenes Avantgardekino.

In den filmischen Auswüchsen dieses Protests dominieren Blut, Sex, sinnlose Gewalt, entstellte Körper, Leichenschändung und Blasphemie.  Aber auch humoristische Angriffe auf das bürgerliche Wohlbefinden.

Das UT Connewitz (Leipzig) zeigt eine Auswahl an maßgebenden Cinema of Transgression-Kurzfilmen u.a. von Nick Zedd, Richard Kern und Tessa Hughes-Freeland, sowie cineastische Verstöße und Überschreitungen aus früheren Phasen des amerikanischen Experimentalfilms u.a. Kenneth Angers masochistische Vergewaltigungsphantasie „Fireworks“ und Jack Smiths Dragperformance „The Yellow Sequence“.

Am Freitag, 04. April 2014 um 22 Uhr im UT Connewitz (Filmvorführung, 16mm/digital)

 

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Design as Radical Labour (Interview with Tom Bieling)

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NewPractice (Issue One) on ‘Design as Radical Labour’ includes an interview with Tom Bieling about social, cultural and political dimensions of Design.
Find the entire interview here!

 

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Die Mobilisierung des Körpers (Conference Report)

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“Die Technik rückt dem Menschen auf den Pelz”. Christoph Asmuth wählte ein eindringliches Bild als Eröffnungs-Statement für das Symposium „Die Mobilisierung des Körpers“ am Dresdner Hygienemuseum. Rund 50 Teilnehmende waren gekommen, um sich an zwei Tagen über vergangene, gegenwärtige, zukünftige, über begehrenswerte oder unerwünschte Techniken auszutauschen, die dem menschlichen Körper wiedererlangbare, erweiterte oder gar neue Fähigkeiten verleihen, und von denen viele im weiteren oder engeren Sinne als Prothesen gelten.

Unterschiedliche Dimensionen rund um den “Menschen als Schnittstelle” standen dabei im Fokus. Die Vielfalt der Themen erstreckte sich von der Geschichtlichkeit der Prothese (Thomas Schnalke), über popkulturelle Aspekte und solche der medialen Inszenierung von körperlicher Behinderung und technischen Artefakten (Sabine Kienitz), bis hin zur Inklusion des Posthumanen (Georg Seeßlen & Markus Metz), sowie künstlerischen Aneignungen des Prothesenmotivs als kritische Kommentare auf Körperobjektivierungen und postindustrielle Technisierungsschübe (Karin Harrasser).

Die Berührungspunkte zwischen Mensch und Prothese variieren stets in einem wabernden Kosmos zwischen Gebrauchsding, symbolischem Objekt, kritischer Vision oder Bildmetapher. Ein Motivkomplex, den Roland Innerhofer als “Ort der Verarbeitung kultureller, medialer und technikgeschichtlicher Umbrüche wie der Austragung sozialer Konflikte” beschreibt.

Der Frage nachgehend, wie denn eigentlich der “Vorzeigeinvalide” des 21. Jahrhunderts aussieht, deckte Sabine Kienitz einerseits eine große Bandbreite der Visualisierung von Versehrtheit auf, stellte jedoch auch fest, dass diese immer noch sehr stark an dualistische Vorstellungen des 20. Jahrhunderts angelegt ist: Der versehrte Mensch entweder als Opfer oder als Held.

Die Prothese die laut Karin Harrasser einen Verlust ebenso markiert wie maskiert, dient jedoch längst nicht mehr ausschließlich der Kompensation sondern auch der Extension. Wurden Artefakte früher an den Körper angebaut (Exoprothesen), so können sie heute zunehmend eingebaut werden (Endoprothesen). In Zeiten, in denen sich Schönheit zunehmend auch als ein Aspekt der Gesundheit etabliert, werden Prothesen dabei nicht nur auf den Aspekt des Substituierens reduziert, sondern dienen zunehmend auch einer auf Makellosigkeit ausgerichteten Optimierungstechnik (Epithesen).

Begriffliche Dimensionen der Prothetik werden in diesem Themenkomplex schnell dehnbar. So zeigte Thomas Schnalke: Auch eine Narbe, als Funktionsersatzgewebe, ist im Grunde nichts anderes als eine (in dem Fall vom menschlichen Körper selbst produzierte) Prothese. Der Hauptfokus des Symposiums lag jedoch klar auf den künstlich erzeugten, steuer- oder modifizierbaren Körperteilen: den Anthropofakten.

Doch wo fängt die Körper-Ding-Synthese an? Wo hört sie auf? Wie Irmela Krüger-Fürhoff darzulegen vermochte, werden Ersatzglieder, Neuroimplantate oder Organtransplantate „in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich voneinander unterschieden, weil sie verschiedene Vorstellungen von ‘Natürlichkeit’ und ‘Künstlichkeit’ bzw. ‘Technizität’ sowie von körperlicher Integration, aktiver Steuerbarkeit und Sichtbarkeit aufrufen“.

Anschaulich rekonstruierten somit einige der Vorträge wie biologische und technische ‘Ersatzteile’ kulturell entworfen werden, und wie sowohl die Verletzlichkeit des menschlichen Leibes, als auch seine Aufgeschlossenheit gegenüber technischer Modifizierbarkeit ästhetisch, kritisch und konstruktiv in Literatur, Kunst, Film, Museumssammlungen, in der Werbung oder den Massenmedien verhandelt werden. Und welche Vorstellungen von (Im)perfektion, also von Vollkommenheit und Optimierbarkeit dem eigentlich zu Grunde liegen.

Georg Seeßlen und Markus Metz rückten dabei zweierlei ins Zentrum des Interesses: Die Machbarkeit und die Vorstellbarkeit: „Die Machbarkeit des Menschen 2.0, des prothetisch, chemisch und digital ‚verbesserten’ Übermenschen wird in den teils offenen, teils nicht ganz so offenen Wissenschaftszentren und nicht zuletzt an den Knotenpunkten des militärisch-wissenschaftlich-ökonomischen Komplexes erprobt. Die Vorstellbarkeit dagegen in den Bilder- und Erzählmaschinen der populären Kultur. In einer visuellen und medialen Kultur wie der unseren orientiert man sich mehr denn je an der Vorstellbarkeit, denn diese bestimmt nicht zuletzt darüber, ob eine der vielen Maßnahmen der technischen und medizinischen Menschenverbesserungen eine Marktchance bietet oder nicht“.

Unabhängig davon habe jedoch Stanislav Lems Einsicht zu gelten, dass alles, was sich technisch machen und vorstellen lässt, auch gemacht wird. Was das in Bezug auf Asmuths Pelz-Metapher bedeutet, ist eine der zentralen Fragen hinsichtlich der zukünftigen Mensch-Maschine Konfigurationen, in deren Zuge auch zu klären sein wird, ab welchem Punkt „das Humane im Menschen zerfällt“. Und umgekehrt stellt sich auch die Frage nach der Technik. Nicht nur in Bezug auf die „Gefahr, die sie für unser Selbst- und Körperbild bedeutet, indem sie den Menschen technisiert, sondern auch danach, inwieweit sich die Technik tatsächlich vermenschlichen lässt“ (Asmuth).

Kein Zweifel: Die Gestaltung unser Lebenswelt bis hinein in die Verzweigungen soziotechnischer Systeme bestimmt in bemerkenswerter Weise die Evolution des Menschen als Mängelwesen hin zum Cyborg. Zumal dann, wenn uns die Technik nicht nur auf den Pelz rückt, sondern unter die Haut geht.

Tom Bieling, März 2014

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[v.l.n.r.: Roland Innerhofer, Tatjana Noemi Tömmel und Irmela Marei Krüger-Fürhoff im Panel "Helden, Krüppel, Übermenschen - Prothetik in der Literatur"]

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Fachtag: Barriere? frei!

“Unsere Tagungsbroschüre ist leider nicht barrierefrei”. Mit diesen Worten wurde heute in Dresden der Fachtag “Barriere? Frei!” eingeleitet. Ehrliche Worte, die zugleich verdeutlichten, dass der Weg zur Inklusion steinig und lang ist. Umso wichtiger, dass man ihn dennoch geht. “Man darf dabei nicht müde werden, manche Dinge einfach so oft zu wiederholen, bis sie in den Köpfen der Menschen ankommen” so Gisela Staupe, stellvertretende Direktorin des Deutschen Hygiene Museums, dem Austragungsort der Tagung. Das Hygiene Museum geht dabei mit gutem Beispiel voran und verfolgt seit der Ausstellung Der [im]perfekte Mensch (2001) einen konsequenten Weg zum Barriereabbau nicht nur im bautechnischen, sondern insbesondere auch im inhaltlichen Sinn.

Wie eine selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung speziell im Jugend- und Kulturbereich ermöglicht werden kann und wie Angebote und Institutionen konkret gestaltet werden sollten, damit jeder Mensch daran teilhaben kann? Dieser und ähnlichen Fragen widmeten sich rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtages, wobei sowohl praktische als auch politische Fragen thematisiert wurden.

Erstmalig wurde dabei auch der Konzeptpreis Barriere? frei! vergeben. Drei Konzepte wurden mit jeweils 4.000 Euro prämiert, die für die Umsetzung und Entwicklung konkreter Vorschläge vorgesehen sind.

Designabilities gratuliert den PreisträgerInnen und wünscht viel Erfolg bei der Projektrealisierung, die nicht zuletzt auch dies verdeutlichen sollen:

Teilhabe von behinderten Menschen zu realisieren ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Klug umgesetzt, kann Inklusion dabei auch Möglichkeiten bieten, neue Zielgruppen zu adressieren. Barrierefreiheit ist demnach kein Nieschenthema, das sich einzig auf den Aspekt Behinderung reduzieren lässt, zumal auch andere Nutzergruppen davon profitieren können, z.B. ältere Menschen, Familien mit Kindern oder Menschen mit Migrationshintergrund.

Dass man auf Tagungen wie diesen mitunter auch vor oft gehörten Schlagbegriffen und Allgemeinplätzen nicht gefeit ist, scheint in der Natur der Sache zu liegen, wie Staupe ja zu Beginn bereits erwähnte. Leistet man ihrem Wiederholungsgebot Folge, so darf man vielleicht schon gespannt sein auf den 2. Fachtag “Barriere? Frei!”. Wir wären vielleicht noch mal dabei.

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Disability Representation and the political Dimension of Art.

Tobin Siebers (University of Michigan) and Tom Bieling (Berlin University of the Arts) thoroughly explore the interconnections between disability, theory, aesthetics, artistic practice, as well as its political dimensions. The discussed elements help in setting the framework to a number of adjacent fields including gender-, diversity- and critical race studies, queer theory or cultural studies. 

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[Tom Bieling:]
In your work you illustrate the crucial roles that the disabled mind and disabled body have played in the evolution of modern aesthetics, unveiling disability as a unique resource discovered by modern art and then embraced by it as a defining concept. A concept that seeks to emphasize the presence of disability in the tradition of aesthetic representation. I know it might be difficult, but could you shortly summarize your core theses especially in the two books “Disability Theory” and “Disability Aesthetics”?

[Tobin Siebers:] Disability Theory and Disability Aesthetics represent two sides of the same argument. The first book is an extended correction of the social model and other theories important to disability studies, and the second book focuses on the disability as an aesthetic value in itself.

Disability Theory corrects the social model (social constructionism) as an argument that 1) limits the political possibilities of people with disabilities and other minorities, 2) refuses to allow that disabled identity possesses verifiable knowledge about the world, and 3) discounts the disabled body, limiting the importance of its appearance and feelings. Although both books are theoretical, Disability Theory makes a concerted effort to think theoretically about many of the major issues in disability studies, sometimes using the help of contemporary theories about culture, language, and art, at other times demonstrating how these contemporary theories fall short because they are incomplete without an understanding of disability. My goal was to stake out a position between the medical and social model by calling for a return to the disabled body, but not in a medical sense. I argue that disability identity has epistemological value, and I posit a theory of “complex embodiment” as a way of understanding that the disabled body and its environment are mutually transformative. My strongest focus on complex embodiment occurs in the chapters on the sexual culture of people with disabilities.

Disability Aesthetics focuses entirely on disability as a body (an aesthetic appearance) that makes other bodies feel. This is my baseline definition of the aesthetic. As a new embodiment, disability provides a major source for new aesthetic forms and emotions crucial to the creation and appreciation of art. Disability Aesthetics names disability as beautiful–in fact as the aesthetic object that makes modern art possible. The book is, I think, the most significant focus to date on disabled embodiment. Here it is not a matter of defining disability with respect to a disabling environment. There are no signs of medicalization, except for those that are disrupted by disability. The focus is on disability as itself. The appearance of disability is chaotic, beautiful, enigmatic—a force that changes the history of art and our perception of the world. Disability is a aesthetic value in itself.

In your work on „Disability Aesthetics“ you describe the attempt to theorize the representation of disability in visual culture and (not only modern) art. You claim, that “the modern in art is perceived as disability, and that disability is evolving into an aesthetic value in itself”. Does this relate to what you said in your article (“What Disability Studies can learn from the Culture Wars”, 1993, or in your Book “Zerbrochene Schönheit” 2009), where you identified the goal “…to establish disability as a significant value in itself worthy for future development”? Would you like to further describe this value, and how it could be developed in future?

In the culture wars, conservative political figures confronted only a few examples of disability aesthetics, and the result was a stand-off. If a few works of art inspired by disability could have such a great impact, imagine what would happen if the number of disability artworks in exhibitions were far greater, if disability artworks were accepted as public art, for example, as Alison Lapper Pregnant was.

The more artwork incorporates disability, the greater the chance we have to change the body politic. But disability aesthetics does not have to be limited to works of art, only to paintings and sculptures. It can also play a significant role in design. The goal is to design a society in which the buildings, household objects, automobiles, tools, computers, jewelry, furniture—all these things and more not only accommodate the disabled body but also reflect the aesthetic values of disability.

You stated that the essential arguments at the heart of the American culture wars in the late twentieth century involved the rejection of disability both by targeting certain artworks as “sick” and by characterizing these artworks as representative of a „sick culture“. Do you see a tendency or approach for a counter concept or opposing model, either in western or in any other culture?

First, this question gives me great hope for the future because from the point of view of disability aesthetics there is no more important problem. How do we change the prevailing attitude that sees human difference as deviance rather than variation?

We are living in two cultures of beauty. The first is a eugenic culture, one that wants to cure or eliminate any person who deviates from the norm. In the West, blond hair, blue eyes, slim waist, and tall height define perfection according to the eugenic norm. In the East, the definition of human perfection is different, but eugenics still stands behind it. The result is an incredibly static vision of what human beauty is.

The second culture of beauty is an aesthetic culture in which beauty is not defined by eugenics. In fact, beauty is disconnected from the human body. As I am fond of saying, Picasso’s Les desmoiselles d’Avignon is beautiful, but if I forced my daughter to use cosmetic surgery to imitate that beauty, I would be rightfully locked in jail. Disconnecting aesthetic beauty from human beauty is a crucial step in freeing ourselves from eugenic culture. It helps us to understand that using aesthetics to determine whether a culture or person is sick represents a misuse of aesthetics and a return to eugenics. Rather, the experience of aesthetic beauty, which is based on variation and difference and not uniformity and stasis, represents a break with eugenic culture. Only when we are capable of recognizing disability in artworks and declaring it beautiful at the same time, will we be making progress against eugenic thought. Then it will no longer make sense to call an artwork “sick.”

Does this relate to “Good Art embodies Disability”? What do you mean by that? And is this related to e.g. the techniques and tendencies of Dada and Expressionism to deform the body or somehow determined norms?

Dada and Expressionism are good examples of artistic movements that deform the human shape to challenge norms. But challenging norms was not the only goal of these movements. They wanted to create new forms of beauty, and they did.

When I stated that “Good art embodies disability,” I meant to do two things. First, I wanted to shake up how people think about art and disability. The statement alone challenges people to question themselves: “If I reject this statement, why do I reject it? Do I think that the presence of disability ruins art? Or do I think that only kitsch embodies disability?”

Second, I was inventing a new proverb for the age of disability aesthetics. We have entered a new era, I argue, where the modern in art is recognized as disability. Good art embodies disability for this reason, and as long as we remain in this era, as long as disability represents an aesthetic value, we will know good art in relation to disability. By the way, I am not speaking exclusively of representational art. Disability aesthetics is active as well in nonrepresentational art. It may not be as obvious to beholders. It may require spending time with the art work. But the pay-off is a new way of looking at nonrepresentational art, one that expands the story of how art creates meaning.

If real beauty – meaning a beauty not in line with popular market conditions – has a connection to „disabled bodies“, then art could guide us towards a (currently utopian) society that is based on inclusion rather than exclusion, accessability instead of barriers, diversity instead of “normality” or monotony. Now, if everything or everybody is equally integrated into the realm of beauty, how would you replace the understandings of beauty / ugly?

What I say is that the beauty dependent on the human body is eugenic, and, yes, the market drives these ideas, although the market also drives aspects of aesthetic beauty as well. (How to free ourselves from the market is an important issue, but it is beyond our scope here.) What you call “real beauty”—a term I would not use—or what I call “aesthetic beauty” embodies disability in the modern era, because disability provides new resources for art makers. I think that it is an important leap to “see” disability in art as beautiful, because disability has never been seen in that way. In effect, then, modern art embraces radically different conceptions of beauty, and this is no small thing. It creates different art, and it has the possibility of changing the body politic.

I want to see more and more disability in art; even more I want to see public art guided by disability aesthetics. However, I do not believe that art will lead to utopia. In fact, I am a bit nervous about the concept of utopia. I do believe in social transformation, in inclusion rather than exclusion, in diversity rather than normality. The disability community has the ability to drive social transformation, and it depends in my opinion on at least two factors, as I try to explain in Disability Theory. First, disabled people have emerged as knowledge producers; they are not merely the objects of medical research. This new knowledge of society frees people with disabilities from oppressive stereotypes because they understand that it provides a better explanation than existing ideas of their social location. The justifications for the oppression of disabled people no longer hold water, and once they realize this fact, they begin to gather together to fight oppression and to transform their society into one that will not only accommodate them but accept their contributions as valuable. Second, I believe that identity politics and political action groups hold the key to leading disabled people to full citizenship. But the political transformation of society by disabled people is at early stages. We hope to follow in the footsteps of other successful minority groups such as women and gays and lesbians. In the U.S., the Americans with Disabilities Act (1990 and 2008) has advanced the civil rights of disabled people, but we have a very long way to go before we are full and equal citizens. Other countries are making their way forward with similar legislation, but they all use, as far as I know, political action to advance their goals. Disabled people have to hit the streets.

You mentioned*, that „Aesthetics opens us to more expansive and diverse conceptions of the human, and disability has become a powerful tool for rethinking human appearance, intelligence, behavior, and creativity“. Could you give us an „instruction manual“, how to use this tool?

Fortunately, there is no instruction manual for any form of legitimate aesthetics. There is just no recipe for making art. When people start making rules about what art should be, art disappears and tyranny begins.

Disability is an aesthetic resource discovered by modern artists, and it diversifies our conception of the human. First, the inclusion of physical disability in art changes both how bodies appear and their specific appearances. The commitment to conceive of human beings as other than healthy is obvious in the preference for figural deformation in modern painting and sculpture. Second, mental disability has a great impact on modern art. Modern writers are identifiable as “modern” by their use of disability to create distinctive narrative styles. For example, would Faulkner’s The Sound and the Fury be nearly as affecting if it were written without using Benjy Compson’s voice? Or consider the impact of Baudelaire’s distracted flâneur, Proust’s use of involuntary memory, or Joyce’s stream of consciousness. What would modern literature be without them? Disability aesthetics multiplies the varieties of the human, including representations of what human beings think and feel.

In your “Contact Zones” Keynote** you talked about “Disability, Pain, and the Politics of Minority Identity”, exploring the use of disability as a prop to denigrate the politics of minority identity. Could you please elaborate!

My talk is the third and final piece of my on-going argument about the representation of pain on the contemporary political scene. I offer a counterargument to the pervasive belief that pain disables the ability of minority people to participate in politics.  As long as minority identities are thought disabled, there is little hope for the political and social equality of either persons with these identities or disabled people, for there will always be one last justification for inferior treatment. There will always be the possibility of proving the inferiority of any given human being at any given moment as long as inferiority is tied to physical and mental difference. Moreover, the idea that pain in itself leads to inferior identities, ones given to greater self-recrimination or frequent victimizing of others, relies on a fallacious psychology prejudiced inherently against disability. These arguments fail when we realize that the lack of political fitness ascribed to minority people depends on an analogy to disabled people and on the false belief that disabled people are biologically inferior.

 

Tobin Siebers is V. L. Parrington Collegiate Professor of  English and Art & Design at the University of Michigan. He is the author of thirteen books, including ‚Disability Theory’ (Michigan 2008) and ‚Disability Aesthetics’ (Michigan, 2010).

Tom Bieling is a visiting professor in Applied Sciences and Art at the German University in Cairo and a PhD candidate at Berlin University of the Arts. He is author of the book ‘Gender Puppets’ (Lit, 2008) and Co-Founder of the Design Research Network.

 

This text has previously been published in: Baltic Horizons, No 21 (118), II. Social, ethical and political Aspects of Research in Design; October 2013, EuroAcademy Series Art & Design, Euroakadeemia, Tallinn, Estonia; pg 45 – 48

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Communication Design for Alzheimer’s Disease – Understanding and facilitating interactions through Communication Design

After we met Rita at Sheffield Halam last summer, we just stumbled over her project again, in which she explores different ways in which communication design can be applied to the context of Alzheimer’s disease. The project focuses mainly on raising awareness and understanding of the disease as well as facilitating interaction between people with Alzheimer’s disease and their carers and families. Further information can be found on her project website!

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Lebenswert – ein Magazin über Menschen mit Behinderung

Inklusion, Teilhabe, Gleichstellung. Bei kaum einem anderen Thema herrscht vergleichbar große emotionale Lethargie wie im Umgang mit Behinderung. Was darf man sagen, wohin darf man schauen, wann darf man lachen? Immer neue Regeln erschöpfen einen eigentlich spannenden Diskurs.

In medialen Inszenierungen begegnen uns Menschen mit Behinderungen häufig als bemitleidenswerte Freaks, an den Rollstuhl »gefesselte« »Opfer« oder bestenfalls als »Helden«, die »trotz« ihrer Behinderung ein ganz »normales« Leben führen. Informationen und Geschichten, die den Menschen in seinem Facettenreichtum abbilden, haben eher Seltenheitswert. Was soll man schon über Behinderte schreiben, wenn nicht über ihre Behinderung?

Wie man’s machen kann, zeigt uns nun Katharina Mottyll, die im Zuge ihrer Bachelorarbeit das Magazin »Lebenswert« entwickelt hat, von dem heute ein druckfrisches, 142 Seiten starkes Exemplar bei uns eintraf und in dem auch ein Porträt über Tom Bieling und die Arbeit seines Teams zu lesen ist.

»Lebenswert« berichtet über Menschen mit Behinderungen, stellt die Behinderung jedoch nicht zwingend in den Vordergrund. Es geht um Geschichten, um Menschen und Erfahrungen. Ernsthafte, informative und humorvolle Artikel und Bilderstrecken stellen sich hier als erfreulich unverkrampfte Herangehensweise an das Thema Inklusion und Behinderungen dar.

Fazit: »Lebenswert« = lesenswert!

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Fingerreader – Wearable Interface to support reading

The Fluid Interfaces Group at MIT Media Lab is currently working on the “FingerReader”, a wearable device that can scan an read out loud printed texts. Like in the earlier mentioned “Eye Ring Project”, it could be worn like a ring, e.g. on the index finger. When pointing towards a written text, words and layout can be analysed and the ring give feedback to the reader, by using a computer voice reading out the scanned text, and by haptic vibrations that shall guide the reader along the reading line. This might not only be interesting for visually impaired people, but, as the group says, also be a tool for language translation. Here is a short video:

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Three new movies about Blindness

Three Films at this year’s Berlinale focused on the challenge of making the Not-Seeing become visible.

The brasilian movie “The way he looks”:

The norwegian movie “Blind”:

And the chinese Movie “Blind Massage”:

A german article about all three can be read in the Tagesspiegel.

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Wheelchair Basketball Commercial with surprising twist in the end

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“Behindern ist heilbar”

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Über die Print Kampagne “Behindern ist heilbar” vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatten wir berichtet. Den dazugehörigen KinoSpot hatten wir damals jedoch nicht geteilt, was wir hiermit nachholen:

 

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TV Spots by the Norwegian associaton of the Blind

Lovely approach by the Norwegian Association of the Blind to focus on self interest, not social good, in their campaign encouraging companies to hire the blind. Four short TV Commercials from 2011:

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Book Review (german): Aus der Nähe – Zum wissenschaftlichen und behindertenpolitischen Wirken von Volker Schönwiese

Die Beiträge und Verdienste Volker Schönwieses für die Behinderungsthematik im deutschsprachigen Raum und seine kritischen, stets auch praxisbezogenen Denkanstöße zu Inklusion und Integration reichen bis in die 1970er Jahre zurück.Anlässlich seiner Pensionierung von der Universität Innsbruck ist nun ein Sammelband erschienen, der einen umfassenden, mitunter persönlichen Einblick in das wissenschaftliche und behindertenpolitische Wirken des Forschers und Aktivisten gibt.

Stets im Zentrum des Interesses seiner häufig auch partizipativ orientierten Forschungsansätze: Die konkreten Alltagserfahrungen von Menschen mit Behinderungen, sowie die sozialen Strukturen und kulturellen Herrschaftsmuster, in die sie eingeflochten sind.

Inklusion als Forderung und Praxis, wie sie beispielsweise auch im Forschungsprojekt „Bildnis eines behinderten Mannes“ deutlich werden, veranschaulichen somit auch den wissenschaftspolitischen Anspruch, der dieser Thematik innewohnt.

All dem ist in dieser Publikation gut zu folgen. Sozusagen: Aus der Nähe!

Tom Bieling, Februar 2014

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Petra Flieger, Sascha Plangger (Hg.): Aus der Nähe – Zum wissenschaftlichen und behindertenpolitischen Wirken von Volker Schönwiese; AG SPAK Bücher, September 2013, 182 S., kart., 19 €; ISBN 978-3940865564

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Inklusion in Mode und Clubkultur

Von den Vereinten Nationen 2008 ratifiziert, fordert die Behindertenrechtskonvention eine gleichberechtigte Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben. Was soweit plausibel  klingt, scheitert im Alltag jedoch allzu häufig an der praktischen Umsetzbarkeit. Auch in kulturrelevanten Bereichen, insbesondere der Partyszene erfahren Menschen mit Behinderungen oft Ausgrenzung.

Wie es auch anders gehen kann, zeigen Beispiele wie die “Rock’n’Rolli” Parties in Berlin, deren Veranstalter erfreulich unverkrampft an das Thema herangehen, wie ein Beitrag der ARTE Sendereihe Tracks aus dem vergangenen Jahr zeigt. Mit dabei auch Mira vom Modelabel “Rolling Elephants”, welches JeansWear für Rollstohlfahrer entwirft.

 

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Bildnis eines behinderten Mannes

Vor geraumer Zeit berichteten wir über über das Projekt “Bildnis eines behinderten Mannes” und die dazugehörigen Publikationen über die Geschichte und Perzeption eines bisher wissenschaftlich nicht bearbeitetes Ölgemäldes aus dem 16. Jahrhunderts in der Kunst- und Wunderkammer von Schloss Ambras bei Innsbruck (Kunsthistorisches Museum, Wien). Auch ein Dokumentarfilm wurde seinerzeit gedreht und ist nun online verfügbar:

DAS BILDNIS EINES BEHINDERTEN MANNES beschreibt die Inhalte und Phasen eines transdisziplinären und partizipatorischen Forschungsprojekts der Universität Innsbruck, dessen Ausgangspunkt jenes über 400 Jahre alte, lange Zeit als “Bildnis eines Krüppels” betitelte Kunstwerk ist. Fragen über Blicke auf behinderte Menschen von der frühen Neuzeit bis heute stehen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: Wie können Blicke auf behinderte Menschen wissenschaftlich und künstlerisch interpretiert werden? Wie können behinderte Frauen und Männer heute ihr Wissen dazu einbringen? Wie wollen Menschen mit Behinderungen selbst wahrgenommen werden?

Diese und weitere Fragen  zum alltagspraktisch und wissenschaftlich bedeutsamen Bildverständnis von Behinderung sind Gegenstand der projektbegleitenden Buch- und Filmdokumentationen.

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[Wissenschaftlicher Sammelband + Ausstellungskatalog]

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Book Review (german): Budenzauber Inklusion

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AG SPAK Bücher, Juli 2013, 147 S., kart., 16 €; ISBN 978-3940865571

In der öffentlichen Debatte um die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ist der Begriff der Inklusion von zentraler Präsenz. Der mit respektablen Zielen und ebenso großen Hoffnungen verbundene Terminus gilt dabei als durchweg positiv besetzt und wird in seiner Bedeutung, zumal in Bezug auf damit verbundene normative Aspekte, nur selten hinterfragt.

Doch wer entscheidet darüber, ob Inklusion gelungen oder gescheitert ist? Wer bestimmt zwischen zumutbaren und unzumutbaren Barrieren? Welche Kriterien spielen hierbei eine Rolle?  Fragestellungen, wie sie auch schon in der – dem Inklusions-Diskurs vorausgehenden – Integrationsdebatte auf der Agenda standen.

Wenn als integriert erst gilt, wer sich im Sinne einer Normentsprechung „erwartungsgemäß“ verhält, dann wird ein ungleiches Machtverhältnis erkennbar. Urteile darüber, ob Integrationsversuche als erfolgreich oder misslungen gelten, werden in der Regel von nicht-behinderten Entscheidungsträgern gefällt. Der sich daraus ergebende, leistungs- und verhaltensorientierte Anpassungsdruck macht deutlich: Statt Inklusion drohen nach wie vor Verschärfungen von Exklusionstendenzen.

Udo Sierck, langjähriger Aktivist der politischen Behindertenbewegung, in den frühen 1980er Jahren unter anderem als Redaktionsmitglied der „Krüppelzeitung“, veranschaulicht aufmerksam und bildhaft die unterschiedliche Dimensionen und Schwierigkeiten der Inklusionsdebatte, indem er vermeintliche Alltagsnormalitäten kritisch hinterfragt und mit behinderungsrelevanten Sichtweisen konfrontiert.

Tom Bieling, Februar 2014

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Fotowettbewerb “Geliebte Technik” (Ambient Assisted Living)

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Zeigen was Technik alles kann!

Der berufsbegleitende Masterstudiengang Ambient Assisted Living der HTW Berlin sucht im Rahmen des Fotowettbewerbs 2014 kreative Fotografien, die zeigen wie Technik geliebt und gelebt wird.

Sie haben ein technisches Produkt oder selbst gebaute Technik, die Sie in Ihrem Alltag nicht mehr missen möchten und die vielleicht nicht nur Ihnen sondern auch das Leben anderer erleichtert? Dann möchte die Jury Ihr technisches Produkt und seine besondere Funktion in Form eines Fotos kennen lernen! Dabei soll die Funktion des Produkt zum Vorschein kommen und ins rechte Licht gerückt werden. Die Gewinnerbilder werden in einer 6-wöchigen Wanderausstellung in drei unterschiedlichen Räumlichkeiten in Berlin ausgestellt.

Der Einsedeschluss ist der 21. April 2014.

Mehr infos zum Wettbewerb finden sich hier!

 

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[Flyer vergrößern!]

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DFG Roundtable Design Research (Video)

The Design Research Lab conducted an intense two-days event: The DFG Roundtable Design Research. Numerous highly profiled positions from the international field have been brought together in order to compare, discuss and map the different approaches and perspectives within design research. The Roundtable aimed at comparing, discussing and mapping the different approaches and perspectives within design research.


PARTICIPANTS
Marcel Befort, Malte Bergmann, Tom Bieling, Uta Brandes, Katharina Bredies, Gerhard Buurman, Rachel Cooper, Michelle Christensen, Florian Conradi, Clive Dilnot, Michal Eitan, Sabine Foraita, Bill Gaver, Ranulph Glanville, Sandra Groll, Matthias Held, Fabian Hemmert, Bianca Herlo, Michael Hohl, Wolfgang Jonas, Gesche Joost, Stefanie-Vera Kockot-Baur, Klaus Krippendorff, Ralf Michel, Marc Pfaff, Mike Press, Jure Purgaj, Chris Rust, Florian Sametinger, Arne Scheuermann, Corinna Schmidt, Jennifer Schubert, Peter Stephan, Ezri Tarazi, Cameron Tonkinwise, Andreas Unteidig, Susann Vihma, Axel Vogelsang, Brigitte Wolf, Christian Wölfel

A MOVIE BY
Manuel Krings & Jacob Watson

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Art Blind at Sommerblut


Sommerblut“, the cologne-based festival of multi polar culture sees itself as inclusive culture Festival, which combines different social, political and social positions and identities. We found a short video from last year’s vernissage of the “Art Blind” Exhibition, which took place during the 2013 Version of Sommerblut Festival. “Art Blind” was curated by Dr. Siegfried Saerberg.

Artists: Jonathan Huxley, Rolf Birge, Lynn Cox, Halldór Dungal, Marian Edwards, Sanja Falisevac, Karla Faßbender, Michael Gerdsmann, George Kabel, Günter Kamolz, José Graña Moreira, Tim Oegema, Gaetano Ribaudo, Barbara Romain, Eckhard Seltmann und Flavio Titolo.

The next Sommerblut Festival will take place in may 2014.

See you in Cologne!

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Disability Awareness

Disabiliy Awareness Campaign from 2011…

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Social Design: Geschichte, Praxis, Perspektiven

Eine Tagung der Gesellschaft für Designgeschichte und des Museums für Kunst und Gewerbe, Hamburg, 9. und 10. Mai 2014

Tagungsort: Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Social Design hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren und erscheint omnipräsent. Aktuell wird Social Design geradezu inflationär als eine Art „greenwashing-Begriff“ für einen Großteil unspezifischer designerischer Aktivitäten und Produktion disqualifiziert. Social Design scheint in diesem Kontext einen kulturellen Mehrwert zu bieten, aus dem sich zugleich ein ökonomischer Gewinn abschöpfen lässt. Diese Praxis verstellt den Blick auf die Tatsache, dass sich Design über seine funktional-ästhetische Wirkungsmacht hinauswachsend in den letzten Jahren weltweit zu einer immer wichtigeren Säule einer nachhaltigen, sozial-politischen Agenda entwickelt. Aber was macht die soziale Dimension im Design aus? Welches Potenzial besitzt Social Design? Hat Social Design eine Geschichte? Können wir von einer Theorie des sozialen Designs sprechen?

Der Begriff des Social Design konzentriert sich auf verschiedene Aspekte, die das Soziale des Designs betreffen. Seine heutige Relevanz erhielt der Begriff zuerst in den 1970er Jahren im Zusammenhang mit der Bürgerbeteiligung in der Architektur sowie in den Diskussionen um die Einbindung der Lebenswelt in die Gestaltung: „Sozio-Design ist also Entwurf und Realisation von Formen der Lebensorganisation für Einzelne und Gruppen von Mitgliedern unser Gesellschaft.” (Bazon Brock,1977). Mittlerweile haben die theoretischen Konzepte zu den sozialen Wechselwirkungen zwischen Gegenständen und Menschen mit den „cultural studies“, der „material culture“ und der ANT (Akteur-Netzwerk-Theorie) eine enorme wissenschaftliche Vertiefung und Ausweitung erfahren. Gleichzeitig sind in der Praxis zunehmend Produzenten und Benutzer aktiv in den Designprozess einbezogen worden.

Historisch betrachtet hat das Soziale der gestalteten Dinge von Beginn an – seit den Reformbewegungen im 19. Jahrhundert – die Zielsetzungen des Designs geprägt. Somit lässt sich an den unterschiedlichen Vorstellungen bis heute eine Geschichte des Sozialen im Design rekonstruieren. Dabei wird häufig unterstellt, dass in der Vergangenheit die Klassische Moderne das Soziale den Bedingungen der Produktion sowie einem ästhetischen Dogmatismus unterworfen habe.

Neben der Geschichte und Theorie des Sozialen im Design soll die aktuelle gestalterische Praxis des Social Design einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bilden (vgl. Kunstforum International, Bd. 207, März-April 2011). Das Spektrum reicht von den Gartenstädten des 19. Jahrhunderts über Victor Papaneks „Design for a real world“ bis zu aktuellen sozialen Designprojekten. Wir möchten in einem Dialog zwischen Wissenschaft und Gestaltung zu einer kritischen Diskussion über die gestalterischen Perspektiven eines sozial orientierten Designs beitragen.

Die Tagung Social Design. Geschichte. Praxis. Perspektiven unterzieht den Begriff einer inhaltlichen Revision und fragt nach der aktuellen Relevanz in der gesellschaftlichen Praxis. Die kritische historische und theoretisch fundierte Betrachtung soll dazu beitragen, die Perspektiven für ein sozial orientiertes Design besser einzuschätzen.

Die Beiträge fokussieren auf folgende Themen:

  1. Geschichte des Social Design
  2. Theorie des Social Design: Social Design als Disziplin
  3. Praxis des Social Design: Wie sehen die Handlungsfelder aus? Wo befinden sich die Inkubatoren? Welche Rolle spielt die Ausbildung, welche Rolle spielen die Designer, welche Rolle die Institutionen?
  4. Perspektiven des Social Design: Welches sind die Wirkungsweisen von Social Design? Welchen Anteil kann Design als Katalysator gesellschaftlicher Transformationsprozesse haben? Welche Bedeutung besitzt Design in der internationalen politischen Agenda?
  5. Wie kann Social Design ausgestellt werden? Ausstellungen sozial orientierter Gestaltungen erfordern andere Herangehensweisen als eine Schau der schönen Dinge, die in Vitrinen ihrer Betrachtung harren.

Organisation:
Claudia Banz ( Museum für Kunst und Gewerbe); Siegfried Gronert, Wolfgang Schepers, Petra Eisele (Gesellschaft für Designgeschichte / GfDg)

Die Gesellschaft für Designgeschichte e. V. wurde 2008 gegründet und verfolgt das Ziel, die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Designs zu intensivieren sowie historische Forschung und Praxis miteinander zu vernetzen.

Mit rund 500.000 Objekten aus 4.000 Jahren gehört das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu den führenden Museen für Kunst und Design in Europa. 2012 hat das Museum mit der Eröffnung der Designabteilung neue Maßstäbe in der Präsentation und Vermittlung von Design gesetzt. Mit unterschiedlichen Ausstellungsformaten, Symposien und Debatten mischt sich das MKG in aktuelle Diskurse ein, die die komplexe Bedeutung von Design in der heutigen Gesellschaft beleuchten und hinterfragen.

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New Book: The History of Sustainable Design

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click to enlarge!

The new publication ‘Die Geschichte des nachhaltigen Designs‘ (= The History of sustainable Design) by Karin-Simone Fuhs, Davide Brocchi, Michael Maxein & Bernd Draser (Hrsg.) contains a contribution by Design Research Lab‘s Tom Bieling, Florian Sametinger and Gesche Joost. The article is entitled ‘Die soziale Dimension des Designs’ (=The social dimension of Design).

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F L U G M U S I K (Kollisionen 2014)

Eine Woche lang arbeiteten Studierende aus verschiedenen Fachbereichen der Berliner Universität der Künste (UdK) zusammen an fliegenden Klangobjekten und klingenden Flugobjekten. Objekte, die schweben, gleiten, geworfen oder katapultiert werden. Objekte, die klingen, singen, knattern und flüstern. Einzige Grundbedingungen: kein Strom, kein Schwarzpulver.

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Das Projekt F L U G M U S I K ist Teil der “Campus Kollision” 2014.

Leitung:
Tilmann Dehnhard (Jazzinstitut Berlin)
Tom Bieling (Design Research Lab)

Videoschnitt: Antje Lass

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PACHA — Kollisionen von Tanz und Design

Im Rahmen der “Kollisionen 2014” (UdK) sah das Projekt PACHA eine Serie von Experimenten und Improvisationen vor. Ziel des Projektes und seiner Teilnehmer war es, sich mit Objekten und Materialien in RaumZeit-Konstellationen zu befördern, deren Wechselwirkungen Klang erzeugen.

Aufgrund der Raumgröße war es lediglich 100 Personen aus dem Kreise der Kollisionen-Besucher vorbehalten, dieser eindringlichen Performance beizuwohnen. Die folgende Aufnahme entstand im Rahmen des Grande Finale, der Präsentation der Ergebnisse der Kollisionsprojekte am 10.01.2014 in den HTZ Uferstudios, Berlin.

PACHA Projektleiter:
Wanda Golonka, Axel Kufus, Amelie Hinrichsen, Christian Zöllner

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Duet for Crutches

Next Week the “Flugmusik” project will be starting at UdK. As we mentioned earlier: it’s gonna be cool and we will keep you posted about the process of the project. One cool aspect in advance can be found in (Co-Initiator) Tilmann Dehnhard’s Vita. In a live concert with Ittzés Gergely he gave some good example for non-intentional design with a strong relation to our DESIGNABILITIES approach. Here is a short video of their “Duet for crutches” performance in Budapest (January 2013):

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Book Review (german): Körper 2.0 – Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen

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Transcript, Oktober 2013, 144 S., kart., 17,99 €; ISBN 978-3-8376-2351-2

Dass im Zuge zunehmender Vernetzung und den uns permanent umgebenden, unterstützenden oder behindernden Dingen, unsere Körper immer nur „teilweise unsere“ sind, eine strikte Trennung von Mensch und dem „Anderen“, der Technologie oder der Maschine also nicht immer ganz einfach zu vollziehen ist, liegt auf der Hand: Stets handelt etwas mit, wenn wir handeln, denkt etwas mit, wenn wir denken, empfindet etwas mit, wenn wir empfinden.

Welche Begriffe, welche Bilder, welche Erzähl- und Deutungsweisen haben wir jedoch, um besser verstehen zu können, dass unser Alltagsleben von nicht-menschlichen Akteuren, und somit auch wir selbst von sozialen und maschinischen Technologien durchdrungen sind?

In Körper 2.0 geht die Kulturwissenschaftlerin Karin Harrasser der Frage nach dem Status des Körpers im Zeitalter seiner technischen Überarbeitung nach. Und zeigt Wege auf, wie wir anders über diesen Zustand nachdenken können.

Ins Zentrum des Interesses rückt dabei: der Homo Protheticus, also der zum Artefakt konzipierte Mensch, der als Mängelwesen auf technoide, künstlich generierte Weise zunehmende Optimierung im Sinne einer Komplettierung erfährt. Es stellt sich dabei die Frage, inwieweit den Körper betreffende Eingriffe künftig weiterhin als Kompensation von Defiziten begriffen, oder aber als erstrebenswerte Optimierung und Erweiterung verstanden werden.

Aus der anthropotechnischen Option, der „Machbarkeit“ des Körpers lässt sich freilich nicht nur vorteilhaftes ableiten, wie sich etwa am Beispiel von Prothesen vermuten ließe. Längst ist eine „verinnerlichte Kultur der Selbstverbesserung“ zum gesellschaftlichen Imperativ geworden. Im Dickicht aus Schönheitswahn, Enhancement-Präparaten, verschärftem Wettbewerb und krisengebeutelten Zeiten der Ungewissheit gedeiht eine verhängnisvolle, nicht zuletzt der neokapitalistischen Logik entsprechende Ideologie der fortwährenden Selbstoptimierung.

Wie es dabei gelingen kann, der Dauerpräsenz überindividueller, nicht-menschlicher Wesen im Zusammenleben sinnvoll zu begegnen, wird angesichts der wachsenden Möglichkeiten von Bio- und Medizintechnik zunehmend wichtiger und gleichermaßen schwieriger zu beantworten. Karin Harrasser liefert einen ersprießlichen Baustein dahingehend, wie den genannten Entwicklungen begrifflich und praktisch, programmatisch und spekulativ, bildhaft und narrativ begegnet werden kann, um „die Abhängigkeiten und Anhänglichkeiten zwischen technischen und organischen Akteuren besser zu beobachten, zu analysieren, zu gestalten.“

Tom Bieling, Dezember 2013

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Book Reviews (german)*: FabLab, Home made Bio Electronic Arts, Lucius Burckhardt Writings, Sensing Place.

FabLab – Of Machines, Makers and Inventors Julia Walter-Herrmann, Corinne Büching (Hg.)

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Bielefeld [transcript] 2013, 262 Seiten. 29,80 Euro. ISBN 978-3-8376-2382-6

       Das erste FabLab startete 2002 am Bostoner MIT und dient seither als Vorbild für eine welt- weit wachsende Maker-Community. Das Buch zeigt, dass das bunte Dickicht aus 3-D-Druckern, Lasercuttern und CNC-Fräsen neben technischen und gestalterischen Potenzialen auch An- knüpfungspunkte für einen globalen Diskurs zur Demokratisierung von Bildung und Wissen sowie zur ökonomischen Selbstbestimmung und politischen Partizipation bietet. »FabLab« könnte sowohl Medientheoretiker und Pädagogen als auch Frickler und Soziologen zu neuen Strategien anregen

 

Home Made Bio Electronic Arts Dominic Landwehr, Verena Kuni (Hg.)

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Basel [Christoph Merian Verlag] 2013, 224 Seiten. 19 Euro. ISBN 978-3856165673

Dieses Buch beschäftigt sich mit Bio-Hacking. In den Grenzbereichen zwischen Naturwissenschaften und Computertechnik tummelt sich eine Community, deren Eingriffe in die Natur nicht selten mit Sorge aufgenommen werden. Die Frage, wie weit der Mensch noch vom Cyborg entfernt ist, wird hier nicht final beantwortet, doch die Praxisbeispiele und die mit Kurzporträts gespickte Einführung sind erfreulich laiengerecht aufbereitet.

 

Lucius Burckhardt Writings – Rethinking Man-made Environments Jesko Fezer, Martin Schmitz (Hg.)

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Berlin [Springer] 2013, 288 Seiten. 39,50 Euro. ISBN 978-3-7091-1256-4 

Eine ergiebige Auswahl Burckhardts kritischer Analysen zu Architektur, Design, Landschaft, Mensch und Politik. Die Texte des Schweizer Soziologen und Begründers der Promenadologie (Spaziergangs- wissenschaft) sind stets auch Plädoyer für einen weit gefassten Gestaltungsbegriff und somit Pflichtlektüre für alle, die sich mit Planung und Gestaltung beschäftigen. Nun endlich auch auf Englisch.

 

Sensing Place – Zur medialen Durchdringung des urbanen Raums Haus für elektronische Künste Basel (Hg.)

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Basel [Christoph Merian Verlag] 2013, 132 Seiten. 19 Euro. ISBN 978-3856165819

In einer Zeit, in der soziale Online-Plattformen und Geoinformationsdienste ihre Daten fusionieren, verändern sich nicht nur die Definitionen von Freiheit, Anonymität oder Sicherheit – auch die Erfahrung von Stadt und Raum ist eine andere. Insbesondere mobile Technologien eröffnen einen komplexen Handlungsspielraum innerhalb eines vernetzten Hybridraums aus physischen und virtuellen Bestandteilen. Anhand von theoretischen Annäherungen und künstlerischen Statements setzt sich »Sensing Place« multiperspektivisch mit dem Phänomen der medialen Durchdringung unserer Umgebung auseinander und bietet originelle Ansätze zu möglichen Neugestaltungen des urbanem Raums.

* Alle vier Buchtipps von Tom Bieling, veröffentlicht im WEAVE magazin, Ausgabe weave 05.13

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Book Reviews (german)*: mashup cultures, design act und was der Mensch wirklich braucht

mashup cultures edited by Stefan Sonvilla-Weiss

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Wien [Springer] April 2010, 156 Seiten, circa 32 EUR. ISBN 978-3709100950

Eine ebenso erhellende wie unterhaltsame Kompilation über Techniken und Praktiken der MashUp-, Remix- und Sampling Kultur. Mal meta-analytisch, medientheoretisch, mal anwendungs-orientiert und mit Beispielen aus der Praxis gespickt, nähern sich 14 Autoren artverwandten Themenfeldern wie Open Participation, Unifinished Artifacts oder Common Property.  

 

Design act – Socially and politically engaged design today – critical  roles and emerging tactics edited by Magnus Ericson and Ramia Mazé

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Berlin/New York [Sternberg Press/laspis] 2011, 304 Seiten. ISBN 978-1934105610

Zugegeben, der rote Faden verblasst bisweilen in dieser ansonsten plausibel argumentierten Betrachtung von Design als kritischer Praxis im Kontext von sozialen und politischen Angelegenheiten. Doch angereichert durch Experteninterviews mit Vertretern der akademischen und nicht-akademischen Welt, wird das Ganze dann doch wieder greifbar. Insbesondere dann, wenn die Protagonisten nicht nur ihren Idealismus protegieren, sondern auch über die Schwierigkeiten und Taktiken in ihren mitunter provokativen Projekten sprechen.


Was der Mensch wirklich braucht Martin Gessmann

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München [Fink] 2010, 163 Seiten, 19,90 EUR. ISBN 978-3770547906 

Was im Titel zunächst nach Lebensratgeber klingt, kommt in Wirklichkeit gleichermaßen klug und kurzweilig als technikphilosophische Auseinandersetzung mit der Frage daher welche Rolle Technik und der Umgang mit Apparaten in unserem Leben spielen.

* Alle drei Buchtipps von Tom Bieling, veröffentlicht im WEAVE magazin, Ausgabe weave 03.13

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Guerrilla Art Project gives Birth To NYC’s New Wheelchair Symbol

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A while ago, we reported from Sara Hendren‘s and Brian Glenney’s great accesible icon project. Now, we are even happier, to see that her project caught its deserved attention by NYC authorities. Congrats, Sara!

On fastcodesign you can reade the full article about “How A Guerrilla Art Project Gave Birth To NYC’s New Wheelchair Symbol”.

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[The new Icon]

 

 

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«Get closer», … «because who is perfect?»

The latest campaign by Pro Infirmis:

Two years ago, they already caught attention by their “get closer” campaign:

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“Flugmusik” – Jazz Institute Berlin meets Design Research Lab

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[Dehnhard & Bieling: F L U G M U S I K]

The Jazz Institute Berlin and the Design Research Lab are going to collaborate for early 2014. In the project Tilmann Dehnhard and Tom Bieling are going to work on flying objects that sound and sound objects that fly. It’s gonna be cool and we will keep you posted about the process of the project…

 

 

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Job Opportunity: Student Worker (f/m) in alternative Interaction.

Job Opportunity: Student Worker (f/m) in „alternative Interaction“.

The Design Research Lab at Berlin University of the Arts is looking for two student workers (f/m) to support us in the project “SPEECHLESS” from now to June 2014 (4 – 6 months).

Start date: January 1st or 15th of January 2014

Description The interdisciplinary research project “SPEECHLESS” aims at analysing and developing novel interactive interfaces. The work will mainly revolve around an (interaction) design research project project investigating the impact of interaction design in the context of Deafness and Blindness. Aside from that, the student assistant will partly support other projects and will develop an overview of the Lab‘s ongoings.

Main field of practice for the student assistant will be on exploring and designing novel design interactions, corresponding interfaces and their social context while crossing the boundaries of design and science.

Project tasks (depending on the focus of the two student assistant positions)

▪    Conceptual design and development of interfaces

▪    Prototyping Interactions

▪    Development and construction of experimental interface elements

▪    Preparation and assistance in user-workshops

▪    Electronic prototyping, basic software development, construction of textile circuits

▪    Project documentation (print and online)

You should be enrolled as an undergraduate or graduate student of interaction design, communication design, fashion or textile design, computer science or related fields. Following skills are important to us:

▪                Experience in Interaction Design

▪                Interest in experimental interfaces

▪                Interest in Design Research

▪                Experience with Adobe Creative Suite

▪                Experience in Prototyping

▪                Interest in physical Computing

▪                Layout, documentation and visualization

▪                Strong visual language

▪                Fluent in English (spoken and written)

▪                Ability and wish to work in dynamic teams

Programming knowledge (Java, Android, iOS), basic skills in dealing with electronic component, experience with textile production techniques are a plus.

Application process Please send an e-mail including your CV and short portfolio or link to your online portfolio to Tom Bieling (tom.bieling@udk-berlin.de) a.s.a.p. We will close applications on december 15, 2013.
The position is paid according to ”Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte II” (TV Stud II). Duration is 6 months (optional: 4 months), 20 hours/week.

We are looking forward to your application.

www.drlab.org

http://www.design-research-lab.org/?news=job-opportunity-student-worker-fm-in-alternative-interaction

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Theometrica

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[Theometrica (by Oscar Palaou and Alexander Müller-Rakow); Foto: T. Bieling]

A couple of days ago, we mentioned the Theometrica Installation, which will be exhibited until december 13. For those, who won’t be able to see it…here is a little video!

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Community Infrastructuring

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Communities can be understood as forms of active engagement, collaboration and knowledge sharing which create new social bonds and be regarded as catalysts for social innovation and participation.

The community infrastructuring research group (Florian Sametinger, Jennifer Schubert, Andreas Unteidig, Malte Bergmann and Bianca Herlo at Design Research Lab Berlin), combines different scholarly perspectives, i.e. urban studies, cultural studies, interaction design and design research, in order to create synergies and new points-of-view on possible futures in the development of urban communities.

Community infrastructing investigates social, material and technological means which enable citizens to address relevant issues. The transdisciplinary research approach is grounded on a meaningful understanding of social contexts, designed artifacts and a research-through-design approach.

This is very much connected to an investigation and pragmatization of the different perspectives of sustainability, of the possibilities of empowerment and of fostering infrastructures for participation.

The overarching goal of the research group is to investigate the role of design in fostering social communities in an urban context.

 

 

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Interaction and Interface Design for and with People with Dementia

This Berlin-based project has been running since 2012 and already lead to promising results:

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Dementia is a syndrome that mainly affects people over the age of 65 and the probability is increasing with age. Current literature and statistics show that the number of people with dementia will double by 2050 in Germany, as about 200,000 new cases are annually expected. Furthermore there are approximately 10 million sufferers in Europe and nearly 18 million cases of dementia worldwide.

People with the most forms of dementia face the progressive and nowadays still incurable degeneration of their cognitive powers and commonly one particularly devastating effect – loss of memory. This affects their ability to carry out previously familiar tasks, like getting dressed or making a cup of tea, and to recognize places, individuals and objects. Those with dementia often feel lost in terms of time and place. As symptoms progress people with dementia increasingly become dependent on others to help them cope with the challenges of daily life.

This research concentrates on interaction and interface design, investigating how contemporary technology could support people with dementia to handle their daily tasks and activities, such as remembering appointments, maintaining social contacts, performing activities of daily life and organizing their day.

The aim of the Interaction and Interface Design for and with People with Dementia project is literally to help people with dementia navigate through their day and to explore how interaction and interface design can be as simple and understandable so people with progressive cognitive impairment can independently use it.

In the project, people with mild dementia are the primary target group and they and their informal and professional carers are included in the development process of an application that aims to support them. User-centered and co-design methods are being used to involve stakeholders of dementia in this process, create new ideas and make decisions based on their experiences, rather than focusing on technology only.

We’ll keep you posted about further results and impressions…

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via DRLab 

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Design with the blind in mind

How should a city for the blind be designed? No,…how should a city in general be designed? Architect Chris Downey takes us on a trip from the perspective of a man who recently lost his sight and relates his non-visual senses to the world of architecture. And he tells about those two types of people: “Those with disabilities, and those who haven’t quite found theirs yet”.

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German TV report about some of our work…

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Lorm Hand connects deaf-blind people with twitter

On the 4th October an impressive protest march of the deaf-blind took place in Berlin. Many of the participants took the opportunity to express and tweet their thoughts, demands, needs, wishes and requests with the @LormHand.

The Lorm Hand is an installation, which connects deaf-blind people with twitter or other social networks. Using touch sensory technology, the Lorm Hand enables deaf-blind people to compose text messages by applying the tactile hand-touch alphabet LORM, a common way of communication used by the deaf-blind. After typing a message on the Lorm Hand, it can immediately be tweeted or shared with social networks.

The Lorm Hand was created by the Design Research Lab initially for this event, so that the protest would go online and could be shared with a broader community. Furthermore the Lorm Hand has been used as a tool of communication for other non deaf-blind people, who are generally interested in the topic “deaf-blindness” and who can use it as a learning tool, to literally get in touch with the idea of LORM or deaf-blind culture in general.

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Making a website tangible

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After a conversation with (Animation & Illustration) Design Student Ellie Pritchard from Kingston University London about here projects in the context of sensory technology research today, we do not want to miss to share her and her colleagues’  student project video, documenting their attempt to make the website of blind comedian Liam O’Carroll tangible and accessible to him.

Check out the fixperts video here!

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“Die Politik der Maker” DGTF Jahrestagung 2013

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DIE POLITIK DER MAKER 
Die gesellschaftliche Bedeutung neuer Möglichkeiten des Produzierens von Design

Jahrestagung der DGTF 2013
Fr. 22. – Sa. 23. November 2013
an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK)

ACHTUNG: DIE ANMELDUNG ENDET AM 17.11.2013!

Die Tagung „Die Politik der Maker“ möchte die Hintergründe der „Maker Culture“ in Vorträgen, moderierten Panels und Workshops ergründen. Es geht darum die neuen Möglichkeiten des Produzierens von Design vorzustellen, theoretisch zu beschreiben und kritisch zu reflektieren.

Wohin zielen die Ansätze? Sind die Diskussionen darüber Schattengefechte einer Totalisierung des Marktes? Ist D.I.Y. emanzipativ? Und überhaupt: Kann man die bessere Welt 3D drucken?

Das Ausfürliche Programm mit allen Vorträgen und Workshops finden sich hier:

DGTF-Tagungsprogramm

Im Anschluss an die Tagung findet am 24. November das 10. Kolloquium Design Promoviert in Zusammenarbeit mit der HFBK Hamburg statt. (http://www.design-promoviert.de )

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Vortrag Elke Bippus (18.11.2013): Epistemologien des Ästhetischen: Mikropraktiken eine (andere) Wissensform?

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Die Berliner RingvorlesungAnderesWissen-WS13-14 fragt nach der Alterität künstlerischen Wissens. In der Spannung oder auch Balance zwischen einem konsistenten Wissensbegriff und dem Besonderen, gar Anderen eines künstlerischen Wissens, liegen Reiz und Herausforderung der Fragestellung.

Warum werden die Künste überhaupt unter der Kategorie Wissen erfasst? Welche Legitimationsstrukturen verbergen sich dahinter? Wie verhält sich das Verschwenderische, Widerständige der Künste zu Erkenntnis und Innovation? Inwiefern wären Wissensformen in ihrer gesellschaftlichen Relevanz grundsätzlich zu überprüfen?

Die Ringvorlesung findet an sieben Terminen montags um 18 Uhr im Raum 110 in der Hardenbergstrasse 33 statt.

Am 18. November 2013 spricht Elke Bippus (Zürcher Hochschule der Künste) über
“Epistemologien des Ästhetischen: Mikropraktiken eine (andere) Wissensform?”

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Book Review (german): Cairo – Images of Transition. Perspectives on Visuality in Egypt 2011-2013 // Mikala Hyldig Dal (Ed.)

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[Transcript, September 2013, 186 S., kart., 34,90 €; ISBN 978-8376-2615-5]

Wie dokumentiert man Geschichte, die gerade selbst im Begriff ist geschrieben zu werden? Wie lässt sich demokratisches Verständnis visualisieren? Und wer sind die Akteure wenn sich Geschichte als Bild manifestiert? Mit „Cairo: Images of Transition“ kompiliert Mikala Hyldig Dal anhand zahlreicher Gastbeiträge eine Fülle an Positionen und Blickwinkeln auf die Wechselbeziehung von Politik und Ästhetik seit dem Beginn der ägyptischen Revolution. Und schafft damit einen bereichernden Blick auf die Ikonografie des Umbruchs.

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[Gleichzeitigkeit von medialer Inszenierung und ikonischem Entstehen: Junger Mann, der auf einer Demo vor der israelischen Botschaft sein Laptop in die Luft hält, auf dem ein Livestream genau jener Versammlung zu sehen ist, deren Teil er in genau diesem Moment ist]

Diese umfasst selbst Alltagsgegenstände, die in Zeiten des Umbruchs mitunter erstaunliche Prozesse der De- und Re-kontextualisierung durchlaufen, in dem sie dabei zu visuellen Zeichen, zu Metaphern, zum politischen Statement werden. Der blaue BH ist ein solches Symbol: Nachdem Sicherheitskräfte im Dezember 2011 eine Protestteilnehmerin brutal zusammenschlagen und halb ausziehen, wobei ihr blauer BH sichtbar wird, verbreitet sich eine Videoaufnahme der Tat viral millionenfach. Demonstranten tragen in den darauffolgenden Tagen Papptafeln mit Ausdrucken der Video-Szene durch Kairos Straßen. Bald schon finden sich Graffiti Stencils in Form von stilisierten BHs in Kairos Straßenbild. Innerhalb kurzer Zeit wandert eine Begebenheit von der Straße ins Netz und von dort wieder zurück auf die Straße und durchschreitet dabei unterschiedliche Abstraktions- und (Be-)Deutungsebenen. Die betroffene Frau selbst, ihr geschundener Körper, und dann das blaue Kleidungsstück werden zu Symbolen für staatliche Unterdrückung, Polizeigewalt und (insbesondere weiblichen) Widerstand.

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[Icons in Flux 1: Der blaue BH. Oben: Teilnehmerinnen eines Frauen-Protest-Marsches halten ein Video-Still des Vorfalls in die Höhe. Unten: In einer Street Art Interpretation des Vorfalls werden die Polizeikräfte als teuflische, behörnte Wesen dargestellt. Anstelle des blauen BHs trägt die Frau ein Oberteil in den ägyptischen Landesfarben] 

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[Icons in Flux 2: Der blaue BH. Oben: Leinwandbild – Die Polizeikräfte als animalische Wesen]

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[Icons in Flux 3: Der blaue BH. Reduziert auf ein Maximum an Aussagekraft – der blaue BH als Stencil]

Die im Buch thematisierte Ikonografie des Umbruchs unterstreicht den veränderlichen Status des Bildes als Kommunikationsmittel und dessen Potenzial als ausdrucksstarker Akteur im Wandel. Dies nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund des technischen Fortschritts, dem im Zuge des Arabischen Frühlings eine nicht unbedeutende Rolle zu Teil wird. Allen voran die Ausstattung breiter Bevölkerungsschichten mit Mobiltechnologie und deren Zugriff auf soziale Netzwerke haben dazu geführt, dass jeder Moment ein potenzielles Bild, jedes Bild die Möglichkeit beinhaltet, soziale Identitäten, kulturelle Befindlichkeiten und politische Standpunkte zu konstruieren, kommunizieren und manifestieren.

„The Egyptian revolution has been called ‚the most televised revolution ever’“ (Annelle Sheline)

Dies gilt zumal vor dem Hintergrund gewalttätiger Machtausübung. Jedes Handy, jede Kamera ist auch potenzieller Zeuge und augenblicklicher Multiplikator. Daraus ergeben sich wechselseitige Konstellationen: Personen, Handlungen und Orte finden nicht mehr nur allein durch ihre physische Präsenz statt, sondern auch als abstrakt-virtuelle, imaginäre Sinnbilder. Im Gegenzug manifestieren sich medial transportierte Symbole in den Handlungen der Akteure und werden somit wieder greif-, spür- und sichtbar. Das wohl bekannteste Beispiel: Der von Menschenmassen bevölkerte Tahrir Platz, dessen Ansicht aus der Vogelperspektive nachhaltig in das kollektive Gedächtnis globaler Revolutions-Ikonografie eingeschrieben ist.

Kein Zweifel, der Umbruch seit der ägyptischen Revolution ist nicht nur Spiegelbild eines  gesellschaftlichen Wandlungsprozesses – auch visuelle Codes, Ausdrucksformen und kommunikationsbezogene Vertriebswege (zumal im öffentlichen Raum) stehen im Zeichen der Veränderung. Beides hängt unweigerlich miteinander zusammen. Das Buch durchleuchtet dieses Wechselspiel. Auf erhellende Weise.

[Tom Bieling]

Related Topics: http://designingsociety.wordpress.com

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RHEINBERGER + MAKINO (Lecture + Performance); Berlin 13. November

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Lecture, Performance
SYSTEMS, RELATIONS, SITUATIONS
HANS-JÖRG RHEINBERGER, YUTAKA MAKINO

WED 13.11.2013 | 19:00 h | Free admission
What do art and science have in common and what distinguishes them from one another? Over the course of three evenings, stipendiaries of the UdK Berlin (University of Art) discuss this question with their guests.

An evening dedicated to the experimental systems in art and science.

“It (experimental system) is a device that not only generates answers; at the same time, and as a prerequisite, it shapes the questions to be answered. An experimental system is a device to materialize questions. It cogenerates, so to speak, the phenomena or material entities and the concepts they come to embody.” – Hans-Jörg Rheinberger

A lecture by Hans-Jörg Rheinberger, Director of the Max Planck Institute for the History of Science, will be followed by a performance by Yutaka Makino. Moderation: Alberto De Campo, University of the Arts.

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[HKW - Haus der Kulturen der Welt; Berlin]

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Skintimacy

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Skintimacy is an interface that allows for the manipulation of electronic-based processes through touch. Depending on whom you touch, the way your bodies make contact influences the control of both analog instruments and digital setups. Alexander Müller-Rakow and his team developed Skintimacy by implementing an Arduino microcontroller to transfer data to software platforms in order to provide diverse opportunities for a playful control of audio and video. This kit, devoloped at Design Research Lab is intended to facilitate the symbiotic relationship between physical computing and the sense of touch.

skintimacy.org

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Design Research Lab in Berlin NeuKölln

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[Nacht und Nebel Installation: "Liebe Sonnenallee, "]

As part of the Nacht und Nebel festival in Neukölln, the Community Infrastructuring Team of the Design Research Lab will present the next level of their hybrid letter box. Opinions will be collected and combined with a projection as well as a discussion feature via text message.

See you at Café Schaumschläger or outside at the corner of Sonnenallee/Hobrechstraße. On Saturday, November 2 from 6 to at least 10.30 pm

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Experimenting with Biochip Implants

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Theometrica

theometrica

Our dear friends and colleagues Oscar Palou and Alexander Müller-Rakow – both experts in the field of generative sound synthesis – came up with this adorable sound interface. By fixing specific pins into a spinning disk, “Theometrica” can control sound elements in real time.

Brought to the public at Einsteinufer 43, 13353 Berlin. Until december 13.

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Book Review: Mobile Food and Foodhunting by Joseph Carlson

Mobile Food and Foodhunting by Joseph Carlson

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[Winwood48 Edition]

Jedermanns Sache wird die eigenwillige Buchgestaltung vermutlich nicht sein. Und auch  die einzelne Textzeile, die sich mittig über die komplette Buchlänge erstreckt, und dabei Assoziationen zu einem Straßen markierenden Mittelstreifen weckt, mutet zwar originell an, steht dem Lesefluss dann jedoch leider allzu sehr im Wege.

Nun ist es mit Büchern aber ja oft so wie mit exotischem Essen: Wer bereit ist, gewohntes Terrain zu überschreiten und sich auf Neues einlässt, der wird bald mit einer Fülle an inspirierenden Eindrücken belohnt. So dass auch vorrübergehendes Magengrummeln schnell in Vergessenheit gerät.

Joseph Carlsons und Mark Brownsteins Einblick in die balinesische Kochkultur schafft dies auf farbenfrohe Weise. So farbenfroh wie asiatische Straßenstände, so bunt wie die indonesische Küche, so schillernd wie Bali selbst. Das macht Freude und auch: hungrig.

So ähnlich muss auch die «red dot» Jury gedacht haben, die den Bildband kürzlich mit einem ihrer Design Awards auszeichnete.

[Tom Bieling]

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