Konkrete Utopien: Die analoge Revolution

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Vernetzt und “always on” zu sein gilt als das Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts schlechthin. Angesichts eines anwachsenden “Internets der Dinge” wird sich unser Verhältnis zur permanenten Verbundenheit vermutlich in mehr als eine Richtung der Extreme intensivieren.

Im Lichte einer sich konstituierenden “Technatur” führt der Schritt über das Internet möglicherweise zurück zum realen Leben: Eine analoge Revolution! Wenn sich einerseits lebensähnliche Organismen künstlich erzeugen lassen, andererseits die Biomimikry der Technologiegestaltung die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine zunehmend verschwimmen lässt; wenn zunehmend neue, lebensähnliche Maschinen entstehen, die in ein weltumspannendes Sensorennetz eingebunden sind, so wirft dies ethische Grundsatzfragen auf. Wem dient das? Wer steuert das Netz der Netze? Oder inwiefern kann ein lebendiges, dezentrales Selbstbewusstsein von Menschheit und Natur entstehen?

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[Christian Schwägerl bei seinem Vortrag und im anschließenden Gespräch mit Michael Knoll (Foto: Tom Bieling)]

Diesen und anderen Fragen widmete sich Wissenschaftsjournalist und Biologe Christian Schwägerl beim heutigen Gespräch mit Michael Knoll, dem Leiter des Büros Berlin der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung in einer Podiumsdiskussion in der Heinrich-Böll-Stiftung, bei der es darum ging kulturell verankerte oder utopisch projizierbare Grenzen zwischen Technik und Natur zu hinterfragen und neu zu verorten.

Als Mann der Wissenschaft von Hause aus eigentlich mehr an der Science als an der Fiction interessiert, bediente sich Schwagerl dabei der Vermittlung von Szenarien, mit deren Hilfe er anschaulich und fesselnd mitunter drastisch dystopische Pfade erschloss.

Da “Szenarios” im Unterschied zur “Prognose” allerdings zunächst einmal ja nichts anderes bedeuten, als über den Tellerrand des Faktischen hinaus zu blicken, lassen sie immer noch Raum für Hoffnung und Handlungsoptionen, insofern Szenarien eben immer auch Alternativformen beinhalten. Alternativformen, die nicht zuletzt aus  gegenwärtigen, gesellschaftlichen und politischen Umgangsformen mit der Fragestellung resultieren, wie wir mit der Tatsache umgehen wollen, dass Technik zunehmend lebendig wird und Natur mit dem digitalen und artefaktischen verschmilzt.

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 [Aktuell: Christian Schwägerl: “Die analoge Revolution – Wenn Technik lebendig wird und Natur mir dem Internet verschmiltzt” (Riemann, September 2014). Zuvor erschienen: Schwägerl Buch über das Anthropozän “Menschenzeit – Zerstören oder gestalten? Die entscheidende Epoche unseres Planeten” (Riemann) und “11 drohende Kriege – Künftige Konflikte um Technologien, Rohstoffe, Territorien und Nahrung” (C. Bertelsmann)]

About designabilities

http://www.design-research-lab.org/team/tom-bieling/
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