Willkommensstadt: Wo Flüchtlinge wohnen und Städte lebendig werden. #BookReview

»Verbietet das Bauen!« Mit diesem Leitspruch argumentiert Daniel Fuhrhop seit einiger Zeit für den Erhalt und die Nutzung bestehender Bausubstanz und sammelt Ideen zur Beseitigung von Leerstand und der Belebung unserer Städte. In seinem jüngsten Buch konfrontiert er einige dieser Ansätze mit der Flüchtlingsthematik. Denn angesichts eines vermehrten Zuzugs von Flüchtlingen stellen sich unweigerlich auch Fragen nach einer menschenwürdigen und allgemein sozial nachhaltigen Unterbringung.

Fuhrhop geht dabei insbesondere der Frage nach, wie man neu Angekommene so unterbringen kann, dass deren Integration gut gelingt. Eine Frage, der er sich zunächst aus historischer Perspektive, mit Blick auf die Geschichte früherer Zuwanderer (Vertriebene, Gastarbeiter, Aussiedler…) nähert. Vieles hat in den verschiedenen Phasen der Zuwanderung gut funktioniert, doch viele Chancen wurden nicht zuletzt auf städteplanerischer Ebene vertan. Stichwort: Integrationshemmende »Ghettoisierung«.

Häufig handelt sich dabei um Fehler, aus denen sich ohne weiteres lernen ließe. Und so verneint Fuhrhop auch in diesem Buch den häufig formulierten Ruf, möglichst „schnell und billig“ zu bauen, um den neuen Herausforderungen Herr werden zu können. »Deutschlandweit stehen genügend Häuser leer. Um allen Flüchtlingen Wohnraum zu bieten, müssen wir jedoch klären, wie und wo wir in Zukunft wohnen wollen.«

Aus Erfahrung zu lernen, bedeute in diesem Sinne auch, die Chance auf lebendige Städte und Orte zu wahren. Gerade der Verzicht auf Neubau könnte dabei die Gelegenheit bieten, Neubürger besser zu integrieren. Nämlich, in dem sie in bestehende Gebäude und somit in bestehende soziale Infrastrukturen mit eingebunden werden. Denn: „Nähe schafft Vertrauen und baut Vorurteile ab“.

Fuhrhop unterschlägt dabei keineswegs, dass Willkommen mehr bedeutet als Ankommen, es also nicht nur um Wohn-, sondern generell um Lebensraum geht. Das schließt Räume für Bildung und Arbeit ebenso ein, wie solche für soziale und kulturelle Begegnung.

Vieles davon sollte längst klar sein. Manches ist gleichwohl in der Praxis nicht immer leicht umzusetzen. Dies ist keineswegs als Schwäche des Buches zu werten, sondern unterstreicht letztlich den darin formulierten Grundtenor: Eine Entwicklung von Willkommenstädten anzupeilen, in denen „wir selber gern leben“ wollen.

„Willkommenssstadt“ ist somit ein Buch über Architektur und über Städte. Und mehr noch: über Menschen und für eine Willkommenskultur. 

Tom Bieling, Juni 2017

 

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Daniel Fuhrhop
Willkommensstadt –
Wo Flüchtlinge wohnen
und Städte lebendig werden
216 Seiten; 17,95 €, oekom Verlag,
ISBN 978-3-865-818126

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About designabilities

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