Leichte Sprache und inklusives Kommunikationsdesign

Leichte Sprache soll Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten im Verstehen der deutschen Sprache haben, das Verstehen von Texten erleichtern. Sie dient damit auch der Barrierefreiheit. Ein leicht verständliches Kommunizieren mit Sprache ist freilich nicht nur eine Frage der inhaltlichen, sondern auch der visuellen Gestaltung. Stichwort: Schrift, Typografie, Illustration, Verwendung von Bildern etc.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gibt hierzu eine Broschüre heraus (Leichte Sprache – Ein Ratgeber). Eine begrüßenswerte Initiative der Bundesregierung, durch Leichte Sprache und angemessene Gestaltung Informationen und komplexe Sachverhalte einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. An einigen Stellen gibt es gleichwohl Überholungsbedarf. Insbesondere die Ratschläge zur visuellen Umsetzung widersprechen dem aktuellen Stand der Lesbarkeitsforschung und den Erfahrungen aus der Designpraxis.

Die Projektgruppe* »Inklusives Kommunikationsdesign« und dem Deutschen Designtag hat Mitte Februar daher ein Positionspapier zur Überarbeitung des Ratgebers Leichte Sprache veröffentlicht.

Teilhabe durch Leichte Sprache

Lesen ist in Deutschland eine Grundvoraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Für etwa 6,2 Millionen Erwachsene, die Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen kurzer Texte haben, müssen daher seitens der Behörden und Unternehmen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Informationen allgemein zugänglich zu machen. Dieser gesetzlichen Verpflichtung kommt der Ratgeber »Leichte Sprache«, der BMAS herausgegeben wird, stellenweise leider nur unzureichend nach. Das gilt insbesondere für die Frage der Gestaltung von Texten.

In einer Stellungnahme hat sich der Deutsche Designtag als Dachorganisation der Designorganisationen in Deutschland daher mit dem Ratgeber auseinandergesetzt. Die dort vertretenen Empfehlungen widersprechen teilweise eklatant dem aktuellen Stand der Lesbarkeitsforschung und sogar Ergebnissen von Studien des eigenen Hauses.

Eine Frage der Gestaltung

So wird etwa in dem Regelwerk eine uniforme Gestaltung gefordert. In der Studie zur Leichten Sprache in der Arbeitswelt des BMAS (LeiSa), die von 2014 bis 2018 unter Anderem mit Beteiligung von Designforschern durchgeführt wurde, wird stattdessen eine genretypische Gestaltung mit unterschiedlichen typografischen Elementen empfohlen. Auch die Festlegung des Regelwerks auf die Verwendung der Arial in einer Schriftgröße von 14 Punkt lässt sich vor dem Hintergrund aktueller Lesbarkeitsforschung nicht aufrecht erhalten. Ebenso sind auch die Empfehlungen zum Einsatz von Bildern lückenhaft.

Der Deutsche Designtag fordert daher eine Überarbeitung des Ratgebers »Leichte Sprache« mit Einbeziehung aktueller Forschungsergebnisse sowie einer Beteiligung von Spezialistinnen und Spezialisten aus dem Bereich der visuellen Kommunikation. Künftige Leitfäden müssen die Kompetenzen von Expertinnen und Experten aus den Bereichen Typografie, Schriftgestaltung, Lesbarkeitsforschung und Illustration nutzen.

»Die Verwendung von leicht verständlicher Sprache ist ein wichtiger Schritt, um alle Bürgerinnen und Bürger zu erreichen,« betont der Präsident des Deutschen Designtags, Boris Kochan, »aber es ist wahrlich nur der halbe Weg. Es bedarf der Professionalität entsprechend ausgebildeter Designerinnen und Designer um gerade für diese Zielgruppen die gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten: Inklusives Kommunikationsdesign leistet hier einen wertvollen Dienst, der im Übrigen erheblich mehr Beachtung auch bei der Vergabe von Forschungsgeldern verdient. Wer glaubt mit Arial 14 Punkt eine Art Universal-Dübel gefunden zu haben, ist auf dem kompletten Holzweg!«

Designforschung.org begrüßt und unterstützt die Initiative und wird künftig über deren weiteren Verlauf berichten.

Christine Hofmann, März 2020

 

* Projektgruppe Inklusives Kommunikationsdesign:
Sabina Sieghart (AGD), Rudolf Paulus Gorbach (TGM), Albert-Jan Pool (AGD),
Monika Schnell (TGM), Sonja Schultes (FT), Ulrike Borinski (FT), Birgit Walter (FT),
Tom Bieling (HAW), Bettina Bock (Uni Köln), Juliane Wenzl (IO), Stefanie Ollenburg, Susanne Zippel, Florian Adler, Sabine Koch, Boris Kochan und Torsten Meyer-Bogya.

Foto: Netzwerk Leichte Sprache

 

 

  >>> Download this Paper (PDF)

 

 

Citation Information:
Hofmann, Christine (2020): Leichte Sprache und Inklusives Kommunikationsdesign. In:
DESIGNABILITIES Design Research Journal, (3) 2020. https://tinyurl.com/r5wdnuk ISSN 2511-6274

 

 

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