Weltdesign – Als Konstruktion und Destruktion. Über das Politische im Design

dsgnblts_2016-05-27-weltdesign-flyer

Ja, Design changiert irgendwo zwischen Weltverbesserung und Weltverschlechterung. Und ja, dies ist sehr häufig auch eine Frage der Deutungs- und Betrachtungsweise. Über die politische Wirkung von Design lässt sich daher immer noch trefflich streiten. Und richtig langweilig wird es dabei nie.

Bereits im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert gingen Vorstellungen von ästhetischer Erziehung mit gesellschaftlichen Reformansprüchen einher: Arts and Crafts etwa wollte – in seiner Losgelöstheit von industriellen Prozessen – den Menschen zu sich selbst führen. Es war dies eine Kritik am Materialismus, der Industrialisierung und auch an Urbanisierung, wie sie auch bei der parallel aufkeimenden Lebensreformbewegung zu finden war.

Das Bauhaus akzeptierte dann – nach einer durchaus esoterisch angehauchten Findungsphase – ein neues Verhältnis von Industrie und Kunst, Technik und Gesellschaft. Der Nachkriegsfunktionalismus strebte nach Sinnhaftigkeit durch den Fokus auf den reinen Gebrauch der Dinge. Und im Übergang von Moderne zu Postmoderne entwickelten sich unterschiedliche Formen aufklärerischer Gestaltungsuniversalität, bei der es nicht selten auch um eine “Weltgesellschaft” als Zielgruppe ging.

“Spätestens im 21. Jahrhundert ist man kritischer geworden, was eine solche Konstruktion von Gesellschaft durch globales Design betrifft. Schon längst zeigte sich dessen Kehrseite. Nicht nur ästhetisch, angefangen bei einer reinen Funktionsarchitektur, die zu weltweit immer gleichen, seelenlosen und sozial […] problematischen Plattenbausiedlungen führte, sondern auch in einem weiteren kulturellen Horizont.

Es scheint, als wäre das heraufziehende Weltdesign in die Rolle eines Hegemons gerückt, der von Verhaltensweisen im Alltag bis hin zu Fragen des Sozialprestiges Vorgaben macht, die man in der Praxis nicht wirklich wollen kann. […] Je länger die Debatte währt, umso deutlicher wird es, dass Design als die besondere Form der Dinge längst zum Politikum geworden ist und zwar im weitest denkbaren Sinne. Es geht darum, wie wir grundsätzlich zusammenleben wollen und wie Design dazu beiträgt, unsere Lebensformen mitzubestimmen”.*

Am 17. Juni 2016 findet im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt das Symposium »Weltdesign. Als Konstruktion und Destruktion. Über das Politische im Design« des Fachbereichs Design der Hochschule für Gestaltung Offenbach statt.

Drei aufeinanderfolgende Panels widmen sich dabei dem “Weltdesign” als “philosophische” (Panel 1: Prof. Dr. Martin Gessmann, Dr. Florian Arnold, Prof. Dr. Marc Rölli, Dr. Julia Meer, Prof. Dr. Melanie Kurz), als “praktische” (Panel 2: Prof. Dr. Klaus Klemp, Prof. Johannes Bergerhausen, Boris Kochan, Pia Scharf, Janina Anjouli Schmidt) und als “konzeptuelle Konstruktion und Dekonstruktion” (Panel 3: Dr. Florian Arnold, Prof. Dr. Cees de Bont, Dr. Yu Feng Li, Dr. Rael Futerman, Prof. Dr. Kai-Uwe Hellmann).

Der Eintritt ist frei, die Plätze sind limitiert.

Am 17. Juni 2016 von 9–17:30 Uhr im
Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, D-60594 Frankfurt am Main

* Via Weltdesign

About designabilities

http://www.design-research-lab.org/team/tom-bieling/
This entry was posted in Conference, design research. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s