Präsentische Demokratie

 

jour_fixe_2016

Wenn repräsentative oder direkte Demokratien an ihre Grenzen stoßen, was dann? Die Jour Fixe Initiative Berlin lädt am Sonntag den 3. Juli 2016 (18 Uhr) zu einem Vortrag der Politologin Isabell Loray (eipcp/European Institute for Progressive Cultural Policies) ein.

Loray widmet sich dem Thema “Präsentische Demokratie” als möglichem Alternativmodell im Angesicht der aktuellen Krisen: “Zur Zeit werden erneut „Werte“ der Demokratie gegen ihre Feinde verteidigt und Kriege zur Konsolidierung von Staatlichkeit geführt. Die entleerte liberale Demokratie versucht sich zu relegitimieren. Doch diese vermeintlich alternativlose Form von Demokratie zeigt im normalisierten Ausnahmezustand lediglich ihr autoritäres Regieren durch soziale Unsicherheit. Gegen diese Rückkehr zu Angst- und Sicherungsdiskursen wollen jedoch immer mehr Menschen am alten Namen der Demokratie festhalten und sie ihrer Geschichte entreißen, sie einer anderen Bewegung der Wiederkehr anvertrauen; einer ausgedehnten Gegenwart, in der Praxen präsentischer Demokratie aktualisiert werden: ohne homogenisierte Berechenbarkeit, in radikaler Inklusion der unberechenbaren und heterogenen Vielen – eine zunehmend entgrenzte Demokratie. Aber ist sie im Kommen, wie Jacques Derrida vorgeschlagen hat? Oder müssen wir uns auch von einer solchen Zukünftigkeit verabschieden, um das Präsentische der Demokratie zu denken?” (Loray)

Der Vortrag ist Teil der unregelmäßig fortlaufenden Reihe “Revolutionierung der Demokratie”. Ein Auszug aus der Ankündigung: “Nach dem Frühling kam der Herbst. Unter der Restauration autoritärer Herrschaft, Bürgerkriegen, Grenzenkrise und Islamismus scheinen die Hoffnungen der Arabischen Revolten verschüttet. Ebenso prallte die globale Occupy-Bewegung am harten Gehäuse der Herrschaft ab. Doch gegen das Narrativ des Scheiterns müssen die gemeinsamen Erfahrungen dieser Rebellionen in die Gegenwart gerettet werden. „Ihr repräsentiert uns nicht! Dies ist keine Demokratie!“ scholl es nicht nur über die Plätze Madrids. Demokratie wurde wiederbelebt als Anspruch, dass eine Bevölkerung  gemeinsam und direkt die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens übernimmt. In den Laboratorien direkter, präsentischer oder liquider Demokratie wurde Repräsentation in Frage gestellt, unmittelbare Demokratie erprobt und das Feld des Politischen über das Staatliche hinaus ausgedehnt.”*

Diese und andere Erfahrungen soll die Vortragsreihe der jour fixe initiative berlin reflektieren.

So auch am Sonntag, 3. Juli 2016, 18 Uhr mit Isabell Loray Präsentische Demokratie – Warum diese andere Demokratie nicht im Kommen ist und auch die Zukunft nicht begehrt.

 

* via neue gesellschaft für bildende kunst (ngbk) und jourfixe

 

 


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