Stadt selber machen (Book Review, german)

StadtSelberMachen_cover

Urban Farming, Guerrilla Gardening, selbstgebaute Stadtmöbel, Um- und Zwischennutzung von städtischen Brachen: Seit einigen Jahren wachsen sowohl die Begeisterung von BürgerInnen und privaten Initiativen für urbane Intervention, als auch das Bewusstsein von Seiten der öffentlichen Hand gegenüber den Vorzügen solcher Impulse.

Ebenso zeigt sich, dass räumliche Aneignung nicht zwangsläufig mit halb- bis illegalen Nacht- und Nebel-Aktionen assoziiert sein muss. Gleichwohl ist die Triebfeder zumeist dieselbe: Es geht um die sozialräumliche (Rück-)Eroberung städtischen Raumes durch seine Bewohner, und die Erschließung neuer Möglichkeitsräume. Vorzugsweise im Einklang mit der Natur.

In „Stadt selber machen“ kompiliert Laura Bruns acht Projekte aus Zürich, Hamburg und Berlin, als Beispiele für einen spielerischen, eigen-initiierten und anwendungsorientierten Umgang mit urbanem Raum.

Egal ob langfristige oder vorrübergehende Um- und Ausgestaltung städtischen Raums: Stets umweht die Projekte der Charme des Provisorischen, des Informellen und Selbstgeschaffenen. „Nicht warten, bis die Stadt irgendwann in zehn Jahren anfängt, etwas zu bauen“. Einfach (selber) machen! Selbst gestalten. Und selbst verwalten.

Transparenz und Nutzungsfreundlichkeit stehen dabei im Vordergrund, so dass bei kluger Umsetzung auch die Kommunen und Ämter mitspielen. „Eine Bank im öffentlichen Raum zu bauen ist nicht erlaubt. Wenn sie aber von vielen genutzt wird und allen etwas bringt, so wird sie meist bleiben.“

Eine wichtige Grundvoraussetzung für die Entwicklungsmöglichkeiten sozial verträglichen Raumes ist der Miteinbezug lokaler Akteure. Ihr Wissen, ihre individuellen Bedürfnisse und Interessen können als Basis für realitätsnahe, alltags- und bedürfnisrelevante und nicht zuletzt unkomplizierte Konzepte dienen, die aufgrund ihrer offenen Entwicklungs- und Nutzungs-Strukturen Raum für Begegnung und Austausch schaffen.

Eines wird bei alledem deutlich: Wenngleich auch der Ausgangspunkt für Stadtaneignung, etwa durch die Schaffung von Aufenthalts-, Erholungs-, Spiel-, oder Freizeitsport-Möglichkeiten nicht zwangsläufig politisch motiviert sein muss, so geht, wie von jeder selbstbestimmten Aktion, eine Wirkung von ihnen aus, die in ihrem Urverständnis politisch ist.

Untertitelt als „Handbuch“ bietet sich die Lektüre als kurzer, aber knackiger Ratgeber für diejenigen an, die auch mal „Stadt selber machen“ möchten. Juristische Tipps und Hinweise zu Finanzierungsmöglichkeiten inklusive.

Tom Bieling, Mai 2014

 

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Laura Bruns:
Stadt selber machen. Ein Handbuch. Jovis, 2014, 144 S., 

ISBN: 978-3868593259

About designabilities

http://www.design-research-lab.org/team/tom-bieling/
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