Mensch Raum Maschine – Bühnenexperimente am Bauhaus (Book Review)

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Dass es im Bauhaus als Hochschule für Gestaltung nicht ausschließlich um den alltagsrelevanten, ganzheitlichen Gestaltungsansatz ging, zeigt bis zum 21. April die Dessauer Ausstellung »Mensch Raum Maschine – Bühnenexperimente am Bauhaus«.

Begleitend dazu skizziert der von den Kuratoren Torsten Blume und Christian Hiller kompilierte, gleichnamige Katalog*, die 1921 von Walter Gropius gegründete Bühnenwerkstatt – im Unterschied zu den anderen Bauhaus Werkstätten – als ebenso experimentelle, wie kritisch und visionäre Brutstätte der freien Kunst. Und lässt zugleich erahnen, wie unweit diese bisweilen dennoch von der lebensweltlichen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen entfernt liegt.

Als man sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit zunehmend technisierten, zugleich Besorgnis erregenden und verführerischen Lebensräumen konfrontiert sah, fungierten Orte wie die Bühnenwerkstatt als solche, in der das Verhältnis von Mensch und Technik neu erforscht und erprobt werden konnte, und in denen es „um nichts weniger ging, als den Entwurf des neuen Menschen“ (Philipp Oswalt)

Auf der Suche nach einem neuartigen, sinnbehafteten Verhältnis zu einer sich fortwährend dynamisierenden, technisch animierten Umwelt, und einem reziproken Mensch-Technik-Verhältnis, gingen die zentralen Protagonisten Lothar Schreyer, Oskar Schlemmer und László Moholoy-Nagy dabei grundlegenden Fragen der Mechanisierung, Maschinisierung und Rationalisierung nach.

Auf eine Weise, in der die Logik und Rhythmik des Maschinenzeitalters ebenso widerspiegelt wie hinterfragt wurde, entstand dabei eine Reihe von technoid-menschlichen Doppelgängern. So zum Beispiel die skulpturalen, biomechanischen Kostüme aus Schlemmers Triadischem Ballett, in denen die Protagonisten, beinah wie eine Art Vorgriff auf spätere Roboterbilder, auf befremdlich-vertraute Weise entindividualisiert androgyn erschienen: Grenzfiguren zwischen Natur und Artefakt. Gleichsam als Technikkritik zu verstehen, im Erkenntnisinteresse jedoch auch als Bewegungsstudien für neue Maschinenkörper dienend.

Nach zahlreichen beachtenswerten Studien und Publikationen zum vorrangig gestalterisch-architektonischen Vermächtnis des Bauhauses, widmen sich Ausstellung und Katalog mit einem Spektrum aus Fotografien und Skizzen, Modellen und Apparaturen, historischen, programmatischen Texten und aktuellen Reflektionen, nun erstmalig seinem ‚flüchtigen’, performativen Nachlass: den Experimenten und Konzepten der Bauhausbühne.

Tom Bieling, April 2014

 

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* Torsten Blume, Christian Hiller (Hg.):
Mensch Raum Maschine – Bühnenexperimente am Bauhaus
Spector Books, 2014, 264 S., ISBN 978-3-944669-21-2; 36 EUR

 

 

About designabilities

http://www.design-research-lab.org/team/tom-bieling/
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